Die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen ist eine wertvolle Möglichkeit, ihre sozialen und persönlichen Kompetenzen zu stärken. In unserer stationären Einrichtung bietet das Gelände vielfältige Angebote, die jedoch nicht immer von allen Kindern genutzt wurden. Statt Neugier und Begeisterung beobachtete ich oft Langeweile und Orientierungslosigkeit. Diese Beobachtungen weckten in mir den Wunsch, im Rahmen meiner Diplomarbeit gezielt neue Impulse für eine attraktive und sinnvolle Freizeitgestaltung zu setzen.
Um besser zu verstehen, was die Kinder brauchen und wollen, führte ich zu Beginn eine umfassende Analyse durch. Dazu gehörten Interviews mit meinen Kolleg:innen sowie mit einem erfahrenen Erlebnispädagogen. Im Fokus waren aber die Fragebögen, die alle Kinder und Jugendlichen selbst ausfüllten. Die Antworten zeigten deutlich, wie unterschiedlich die Freizeitbedürfnisse sind: Einige liebten Sport und Bewegung, andere wollten kreativ sein oder digitale Medien nutzen. Gemeinsam hatten fast alle jedoch den Wunsch, mehr Neues ausprobieren zu dürfen und ihre Freizeit aktiv mitzugestalten.



Erlebnisse im Wald
Aufgrund dieser Ergebnisse entwickelte ich ein erlebnispädagogisches Projekt, bestehend aus vier Nachmittagen im nahegelegenen Wald. Das Ziel dabei war, durch erlebnisorientierte Aktivitäten die sozialen Fähigkeiten der Kinder praktisch und spielerisch zu fördern: Durch praktische Aktivitäten in der Natur sollten die Kinder spielerisch lernen, sich gegenseitig zu vertrauen, besser zusammenzuarbeiten und Konflikte selbstständig zu lösen.
Insgesamt nahmen zehn Kinder an den Projekttagen teil. Jeder Nachmittag war klar strukturiert und bestand aus drei Phasen: einer Einstiegsphase, einem Hauptteil und einem Abschluss. Die Einstiegsphase diente dazu, in der Gruppe anzukommen und sich auf den gemeinsamen Nachmittag einzustimmen, mal durch ein Kennenlernspiel, mal durch ein ruhiges Ritual. Im Hauptteil wurden abwechslungsreiche erlebnispädagogische Aktivitäten durchgeführt, darunter Spiele wie „Heisse Kartoffel“, der „Gordische Knoten“, der „Lautlose Dirigent“ oder das Durchqueren des Waldes mit verbundenen Augen. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei, probierten sich aus, kooperierten und entwickelten gemeinsam Lösungswege. Diese Aktivitäten förderten spielerisch Vertrauen, Teamfähigkeit und die Freude am gemeinsamen Erleben.
Kochen am Feuer
Ein weiteres Highlight war das gemeinsame Kochen und Essen am Lagerfeuer. Jedes Kind durfte seine eigene Calzone belegen, die anschliessend über dem Feuer gebraten wurde. Es wirkte so, als wären die Kinder mit viel Freude und Stolz bei der Sache, als sie ihre eigene Calzone belegten und über dem Feuer brieten. Zum süssen Abschluss des Tages wurden Marshmallows geröstet, ein Moment der viel Begeisterung auslöste und den Tag stimmungsvoll abrundete.
Freies Spiel und Eigeninitiative
Während der Projekttage gab es immer wieder spontane Vorschläge der Kinder, die sich oft als besonders erfolgreich erwiesen. Besonders schön war auch zu beobachten, wie viele Kinder sich ganz ohne Anleitung eigene Spiele ausdachten und mit Stöcken, Moos und anderen Naturmaterialien kreativ wurden. Die Phasen des freien Spiels zeigten deutlich, wie viel Eigeninitiative und Fantasie in den Kindern steckt, wenn man ihnen den Raum dafür lässt. So wurde einmal spontan entschieden, statt einer geplanten kreativen Aktivität ein gemeinsames Feuer zu machen, was durch die aktive Mitbestimmung der Kinder zu einem besonders stimmigen und von ihnen getragenen Erlebnis wurde. Diese Momente verdeutlichten mir, wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben und den Kindern Raum für eigene Ideen und Entscheidungen zu geben.
Soziale Fähigkeiten ausbauen
Insgesamt verlief das Projekt besser als erwartet. Die Kinder begegneten den Aktivitäten mit viel Engagement und Offenheit, was sich in einer positiven und lebendigen Gruppendynamik widerspiegelte. Besonders beim gemeinsamen Kochen, den Spielen im Wald oder in den vielen kleinen Momenten, etwa beim gemeinsamen Lachen, Nachfragen oder dem Wunsch, eine Aktivität zu wiederholen, zeigte sich, dass die Kinder viel aus den Nachmittagen mitgenommen haben. Sie brachten eigene Ideen ein, halfen sich gegenseitig und trauten sich zunehmend, Verantwortung in der Gruppe zu übernehmen. In den Abschlussrunden erzählten sie stolz, was ihnen gefallen hat und was sie gelernt habe, Momente, die spürbar machten, wie wertvoll diese gemeinsamen Erlebnisse für ihre Entwicklung waren. Meine grösste Erkenntnis aus diesem Projekt war, wie entscheidend eine partizipative und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung ist. Freizeit bietet jungen Menschen nicht nur Erholung, sondern auch wertvolle Möglichkeiten, sich selbst besser kennenzulernen und soziale Fähigkeiten aufzubauen. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf die sozialpädagogische Arbeit nachhaltig geprägt. Zukünftig werde ich noch gezielter darauf achten, Freizeit als wertvollen Raum zur Selbstentfaltung und zur Entwicklung sozialer Kompetenzen zu gestalten.
Graciela Gsell, Sozialpädagogin in Ausbildung